Eine Nachricht schlug diese Woche in Israel ein wie eine Bombe: Der Präsident der Vereinigten Arabischen Emirate soll den israelischen Premier Benjamin Netanjahu wenige Tage vor dem 7. Oktober 2023 eindringlich vor einem Großangriff der Hamas gewarnt haben.
So zumindest berichteten es die Zeitungen Haaretz und Times of Israel und beriefen sich auf einen Vertrauten des Präsidenten der Emirate. Dieser sei laut den Berichten erstaunt darüber gewesen, dass Netanjahu die Nachricht relativ gelassen aufnahm und auch die Sicherheitschefs nicht informiert habe. So kam es zu dem massiven Angriff der Hamas mit der Verschleppung vieler Geiseln und führte zu dem verheerenden Gaza-Krieg Israels, der bis heute andauert, unzählige Menschenleben gefordert und eine humanitäre Katastrophe im Gazastreifen zur Folge hatte.
Netanjahu jedoch ging aus dem Konflikt gestärkt hervor. Vor dem Angriff der Hamas stand er mit seiner Regierung innenpolitisch mit dem Rücken zur Wand. Wegen seiner Justizreform gab es massive Proteste gegen die Regierung, bei denen Hunderttausende auf die Straße gingen. Netanjahu selbst galt in Israel als durch und durch korrupt, so dass die Justiz gegen ihn ermittelte und ihm zehn Jahre Haft wegen Korruption drohten. Nach dem Angriff war dies alles vom Tisch, das Land versammelte sich im Kampf gegen den äußeren Feind hinter Netanjahu. Könnte Netanjahu also diese Warnungen bewusst ignoriert haben, um seine eigene Position zu festigen?
Die nun erschienen Medienberichte treffen Netanjahu zu einem extrem schlechten Zeitpunkt, da im Oktober in Israel gewählt wird. Netanjahu bezeichnet die Berichte als Falschinformationen und will die Zeitungen wegen Verleumdung vor Gericht verklagen.
Jedoch bleiben in Bezug auf den Angriff der Hamas weiterhin folgende wichtige Fragen offen, die die Regierung bislang nicht aufgeklärt hat:
Der israelische Geheimdienst Mossad gilt als der schlagkräftigste Geheimdienst weltweit. Der Gaza-Streifen wird mit Drohnen überwacht, die Handynetze werden abgehört. Sollte dem Mossad völlig entgangen sein, dass tausende Kämpfer diese Attacke vorbereiteten?
Die Grenze zum Gaza-Streifen gilt als eine der am besten gesicherten Grenzen der Welt. Ehemalige israelische Militärangehörige, die früher die Grenze bewachten, bezeugen, dass sich nicht einmal eine Katze der Grenze nähren konnte, ohne Alarm auszulösen. Die Hamas konnte aber in völliger Ruhe die Grenzanlagen sprengen und mit ihren Kämpfern ungehindert ins Land fahren. Wie ist das möglich?
Warum wurden die Truppen, die die Grenze überwachen sollten, vor dem Angriff sogar noch reduziert?
Warum dauerte es Stunden, bis Israel mit seiner schlagkräftigen Luftwaffe eingriff?
Auch Michael McCaul, Vorsitzender des Ausschusses für Auswärtige Angelegenheiten im US-Repräsentantenhaus, erklärte bereits 2023, dass auch Ägypten Israel drei Tage vor dem Angriff gewarnt hatte. Warum sollte er das offiziell erklären, wenn er keine Belege dafür hatte?
Es wäre dringend notwendig, dass diese Fragen solide aufgearbeitet werden. Bislang verweigert jedoch ausgerechnet Benjamin Netanjahu eine unabhängige Untersuchung der Geschehnisse um den 7. Oktober. Dies nährt Zweifel, ob an den nun veröffentlichten Medienberichten nicht doch etwas dran sein könnte.
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Quelle: Metanoia-Magazin, Ausgabe 59, S. 43 - 47










